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Steelpan-Woche in Gwatt

Eine Karibikreise, die Berührung mit dem Pan und schliesslich das selber spielen dieses Instrumentes. Der Bericht einer blinden Panspielerin über das Steelpan-Projekt der Berner Ölgesellschaft und dem Schweizerischen Blindenverband. Von Madeleine "Pan mit Blinden in Gwatt"

Zwischen den Palmen erfüllen plötzliche helle, klirrende Klänge die Mittagsstille. Unter einem Laubendach wirbeln schwarze Hände schwungvoll auf glänzenden Fässern. Doch ihre Klänge sind nicht metallisch, es ist viel mehr eine Symphonie aus tausend Glocken, ein Rhythmus von gewaltiger Kraft, eine schwebende und rasante Stromflut von Harmonie. Es war eine Steelpanaufführung an einem Strand in Antigua.

Die Idee selber einmal die Sticks in die Hände zu nehmen, gärte von nun an in mir. Und so kam ich dazu, zum Steelpan-Projekt der Berner Ölgesellschaft und des schweizerischen Blindenverbandes.

In Gwatt trafen wir uns, um gemeinsam eine Woche lang Musik zu erzeugen. Da waren die Profis, aus Bern angereist, die uns mit ihrer ansteckenden Begeisterung in ein Pan-Fieber versetzten.

Da waren wir, die Laien, skeptisch und neugierig, die zum ersten Mal auf einem Fassboden zu trommeln wagten. Doch mit der Ausdauer der einen und dem Eifer der anderen kamen wir uns näher, zwar nicht ohne Pannen und Misstöne, dennoch ohne je den Mut zu verlieren. Jeden Morgen machten wir uns erneut hinter die Fässer. Am ersten Tag waren wir steif und unbeholfen, doch am zweiten hatten wir schon ein vollständiges Stück einstudiert. Unser Repertoire erweiterte sich täglich. Bald kamen Calypso, Bossa Nova und sogar Bach dazu. Aber das Pan ist nicht nur Musik, es hat auch Geschichte. Nebst musikalischen Erfahrungen wurden wir auch in die Entstehungsgeschichte dieser Musikart eingeführt und waren voller Freude dabei, als wir unser eigenes Pan herstellten. Es ist überraschend, wie einfach, aber doch aufwändig es ist, einem Ölfass harmonische Klänge abzugewinnen. Da wir in einem normale Raum musizierten, war es für uns ein Erfolgserlebnis, die ganze Weite und Fülle der Klänge in einer Kirche zu erfahren.

Openair-Party am See
Der Höhepunkt in unserer Reise durch die Pan-Welt bildete die Openair-Party am See, die wir zuvor mit einer Round-The-Neck Band zusammengetrommelt hatten. Es sollte ein Grillabend mit Steelpanbegleitung werden.

Die Vorbereitungen verliefen hektisch und turbulent. Natürlich hofften wir auf zahlreiches Publikum, und als wir aufspielten, erschienen tatsächlich interessierte Zuhörer. Auch der Applaus fehlte nicht, was uns mit Stolz erfüllte. Das ganze wurde natürlich mit reichlich Champagner begossen.
 

Pan mit Blinden in Gwatt

Meine Eindrücke von dieser Woche in Gwatt sind zu vielschichtig, als dass ich sie hier kurz schildern könnte.

In musikalisch technischen Belangen sind Augen nicht unbedingt eine Hilfe. Wo Sehende mit den Augen den Tönen fahrlässig auf die Spur kommen, finden Sehbehinderte und Blinde mit Hilfe des Tastsinns und der Ohren verhältnismässig schnell den Ton und die Bewegung.

In Gesprächen und im Musizieren fanden wir rasch eine wunderschöne Art des Zusammenlebens. Ich habe gemerkt. dass Blinde und Sehbehinderte mit den übrigen Sinnesorganen das wirklich Wesentliche genau so erfassen wie Sehende.

Ich jedenfalls habe in dieser Woche mindestens soviel empfangen wie gegeben.

Gere de Roodt, Berner Ölgesellschaft Steelwyl
 
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