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aus dem Schweizer Steelpan Archiv
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Das erste Pan in der Schweiz?

Jetzt sind es schon zwanzig Jahre her, als ein Halbverrückter in Marly bei Fribourg mit einem Zwanzigkilogramm-Vorschlaghammer in seinem Garten auf einem grasgrünen Ölfass herumdonnerte. Müssiggänger, welche im nebenanliegenden Wald am Wochenende ihre Ruhe suchten, taten dies vergeblich. Wer konnte wissen, was hier für ein Meisterwerk am Entstehen war... von Steve Berg, Marly



...vielleicht das erste Steelpan in der Schweiz? Ziemlich sicher das erste, das in der Schweiz hergestellt wurde. Ich habe selbst kaum gewusst wie dieses Abenteuer ausgehen würde. Als ich Nachbarn erzählte, was aus diesem verbeulten Fass werden sollte, stiess dies an die Grenzen des Vorstellbaren. Damals war der Massentourismus nicht so entwickelt wie heute und die wunderschöne Musik der Karibik praktisch unbekannt.

Nachdem die Fläche des Fasses genügend "eingetätscht" war, folgte die Einteilung der Töne und das wirklich mühsame Trennen der Tonflächen mit Hammer und 3mm Stift - ein Schlag alle 2mm, die Flächen gut trennen ohne in das Innere des Fasses zu gelangen. Eine schöne Geduldsprobe! Danach war das nachfolgende Abschneiden des Pans auf die richtige Länge nur Nasenwasser. War der Anfang akustisch spektakulär, erfolgte jetzt die optisch spektakulärste Tätigkeit - das Tempern des embryonischen Pans. An einem düsteren Herbsttag brannte ein ziemlich grosses Feuer im Garten, das Holz dafür lag in genügenden Mengen im benachbarten Wald. Das Pan wurde draufgelegt und schon bald verschwand es in einer beissenden Qualmwolke, als die Lackschicht abbrannte. Es dauerte aber nicht lange, bis es wieder sichtbar wurde und die Farbe des Stahls begann sich zu ändern - gelblich, dann blau. Schliesslich wurde die heisse Pfanne vom Feuer genommen und mit Wasser aus zwei bereitstehenden Eimern abgeschreckt. Grossartig, diese riesige Dampfwolke, die sich mit dem grauen Himmel vermischte! über das Tunen möchte ich nur sagen, es ging sehr, sehr, sehr lang. Die Töne waren nicht immer dort, wo sie geplant waren. Eventuell musste mit Kaugummi nachgeholfen werden, wenn die Frequenz einer Tonfläche sonst nicht herunterzubringen war. Beim Tunen einer Fläche gingen die vorher erfolgreich eingestellten Flächen "out of tune". Aber schliesslich wurde das Ding gut spielbar und zur Adventszeit sangen meine Kinder "Ihr Kinderlein kommet" zu Steelpan Begleitung. Das Photo im Album meiner Tochter beweist es!

Wie bin ich überhaupt dazu gekommen, Steeldrums herzustellen? Ich wuchs in England in der Nähe von London auf. Schon in den fünfziger Jahren als ich die Gitarre entdeckte, gehörten bald Lieder wie "Island in the Sun" und "Jamaica Farewell" zu meinem Repertoire. Dann kamen weitere heitere Calypsos von Lord Kitchener und die romantischen karibischen Lieder des in England sehr beliebten dänischen Ehepaars Nina and Frederik dazu. In dieser musikalischen Umgebung, waren Steeldrums bald nicht mehr zu überhören. Dieser herrliche Klang, die zeitweilig merkwürdigen Dissonanzen der Nebenschwingungen! Mir lief das Schütteln jedes Mal den Rücken herunter als ich das hörte! Auch liefen manchmal die Tränen, wie so oft, wenn mich die Musik zutiefst berührt.

An der Uni war mein Calypso-Repertoire unter den MiststudentInnen recht beliebt und ich hatte das Glück, bald eine Krankenschwester mit guten Verbindungen zu Trinidad kennen zu lernen. Über ihre Plattensammlung aus Trinidad wuchs mein Interesse an Steelbands noch mehr und ich nahm mir vor, 1962 am Karneval in Trinidad dabei zu sein. Einfach unbeschreiblich, die Steelbands auf der Strasse! Meine Photos sind herrliche Erinnerungen. Da wirst Du einfach mitgerissen! Leider sind diese heute grösstenteils durch Sattelschlepper voller trommelfell-platzender Lautsprecherboxen ersetzt worden.



Nach meiner Weltreise "landete" ich 1964 in Fribourg, träumte von der schönen Karibik und hörte meine LPs aus Trinidad. Auch die Schweizer Volksmusik gefiel mir immer mehr. Eigentlich müsste ein lüpfiger Ländler im Pan-Style irrsinnig schön klingen! Ich spürte immer wieder Lust, Steeldrums zu bauen, hatte aber keine Ahnung wie. Dann entdeckte ich das Buch "Steeldrums, how to play them and make them", publiziert durch Oak Publications in 1964. Der Auftritt einer Steelband an der Comptoir Suisse in Lausanne im September 1972 motivierte mich gewaltig. Und so fing ich an. Nach dem ersten Ping-Pong Pan folgten in den Jahren 1973 und 1974 ein 2nd Pan (Alto) und zwei Cello Pans. Die Erfahrung, die ich dabei machte, führte zum Wunsch, Pans zu bauen, die einfacher zu spielen wären, bei denen die Töne nicht so chaotisch verteilt sind. Diese Gedanken führten seinerzeit zur Idee, die Tonflächen in Quintenreihenfolge anzuordnen. Im Zuge der Entwicklung sind andere auf die gleiche Idee gekommen und solche Pans werden heute hergestellt. Wegen einer Berufsänderung, und weil ich leider niemanden kannte, der sich für das Panspielen interessierte, und ich selber kein Oktopus bin, der in der Lage wäre, alle meine Pans gleichzeitig zu spielen, versiegte langsam mein Eifer und mein kleines Pan-Orchester fing an, im Keller langsam vor sich hin zu rosten. Beinahe wären die Instrumente in den Abfall gewandert!

Welch eine Freude war es dann zu hören, wie mein erstes Pan anlässlich der Eröffnung der Steelpan-Manufaktur im Juni 1993, in den begeisterten Händen Felix Rohners zum Leben wiedererweckt wurde. Danke Felix, es tönte wie in alten Zeiten!! Die anderen drei warte noch, gespielt zu werden.

Was Schweizer Volksmusik betrifft, habe ich inzwischen gelernt, Schwyzerörgeli zu spielen. Diese Musik im Pan-Style wäre der Hit!
 

 
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