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Für mich in Finnland bedeutet Pan, Freude unters Volk zu bringen

In Finnland gibt es Steelbands. Wer hätte das gedacht? Ari Viitanen ist ein Musiklehrer und Panbauer aus Finnland. Er besuchte mit Tommy, seinem sechzehnjährigen Schüler, im Herbst 1993 Trinidad, um sich - was das Pan angeht - weiterzubilden. Ich traf die beiden dort und sie erzählten mir über PAN IN FINNLAND! Von Werner Egger



Panyard (P): Ari, wie begann alles für Dich? Wann sahst Du Dein erstes Pan?


Ari (A): Ich hörte meine erste Steelband in Schweden. Ich war mit einer Gruppe dort, die Reggae spielte. Am selben Ort trat eine Steelband aus Dänemark auf. Dieses Instrument hat mich gepackt, und ich fragte den Bandleader. Er versprach mir, Informationen zuzuschicken, doch diese bekam ich leider nie. Als ich zu Hause ankam, begann ich augenblicklich, mit 10-Liter Metallbehältern zu experimentieren.

Dann liess ich Pan eine zeitlang Pan sein. 1991 fand ich heraus, dass sich in finnland noch jemand mit dem Pan beschäftigte und dieses auch baute. Ich nahm meine Arbeit am Pan wieder auf. Ich stiess auch auf einige Bücher mit verschiedenen Layouts und sah schlussendlich einen Film am finnischen Fernsehen. Sein Name war "Pan in A Minor". In diesem Film wurde die Quintentonanordnung des Tenors gezeigt und anhand des Film baute ich mein erstes richtiges Pan.

Im Februar 1992 reiste ich nach Schweden und traf dort Spieler der Hot Pans Steelband (dies ist die Band von Ulf Kronman, dem Autor eines Buches über die Bauart des Steelpans). Ich sah auch Ulf Kronmann und er gab mir sein Buch, sowie die Adresse von Rudy Smith, einem Tuner, der in Dänemark lebt.

Im Sommer 1992c ging ich dann nach Dänemark, um Rudy Smith bei der Panbauerarbeit zuzusehen.

Als ich nach Finnland zurück kehrte, baute ich anhand von Kronmans Buch und meinen Beobachtungen, die ich bei Rudy gemacht hatte, einige Pans. Wir haben dann auch auf ihnen gespielt, doch es war natürlich nicht die Topqualität. Die Steelband wurde im Herbst 1992 gegründet.

P: Was ist das für eine Band?

A: Es ist genau genommen eine Schüler Steelband. Da ich Musiklehrer an der High School bin, lag es natürlich auf der Hand, mit den Leuten dort Pan zu spielen.

P: Welche Art von Musik spielt diese Band?

A: Die Steelband spielt hauptsächlich selbst arrangierte Stücke, Klassik, Calypso, populäre Musik und finnische Musik. Die Mischung dieser verschiedenen Stilrichtungen ergibt eine interessante Farbe. Wir versuchen auch, mit unseren Arrangements humorvoll zu sein.

P: Wie viele Bands gibt es überhaupt in Finnland?

A: Wir haben zwei Steelbands. Eine davon ist eine Schüler Steelband, die Band, die ich leite. Dabei ist anzumerken, dass die Band anfänglich nicht in den Schulunterricht integriert war.

Doch dieses Jahr spielen wir mit zwei Gruppen, zwei Lektionen in der Woche, und dies als Teil des Musikunterrichtes. Das ist neu, und ich weiss, das es in ganz Skandinavien keine andere Steelband gibt, die in den Schulunterricht integriert ist.

Die zweite band in Finnland ist keine reine Steelband. In dieser Formation spielen halb-professionelle Musiker, wobei sie das Steelpan auch mit anderen Instrumenten kombinieren (wie dies auch Andy Narell tut)

P: Ist Panspielen für die Spieler in Deiner Band mehr ein Nebenbei-Hobby oder tretet Ihr auch auf?

A: Man kann es, glaube ich schon als ziemlich intensives Hobby bezeichnen. Wir hatten z.B. alleine diesen Sommer etwa 40 Auftritte (!). An den üblichen Orten wie an Partys, an Stadtfesten usw. Aber wir gaben auch einige Konzerte in den Schulen.

P: Tommy, Du bist nun mit Ari nach Trinidad gereist. Ist für Dich das Panspiel Hobby, oder bedeutet es Dir mehr?

Tommy (T): Ich denke, es bedeutet mir ziemlich viel, sonst wäre ich jetzt nicht hier in Trinidad. Panspielen ist für mich in gewisser Weise befreiend, da ich nicht ewig pauken muss, wie ich dies bei meinem Klavierunterricht zu tun habe. Es stehen Dir - so glaube ich - mit dem Pan sehr viel mehr Möglichkeiten offen, as mit einem anderen Instrument.

P: Übt Deine Band regelmässig? Und wie?

T: Wir haben einmal in der Woche Panunterricht. Doch zwischen den Lektionen haben wir jedes Mal eine Viertelstunde Pause. Oftmals treffen wir uns in diesen Pausen im Musikraum um zu üben. Bei 6-8 Lektionen am Tag macht das mehr als eine Stunde Panspiel...

P: Was wirst Du nach der Schule tun? Gehst Du zur Universität, oder denkst Du daran, etwas mit dem Pan zu machen?

T: Ich möchte später etwas tun, was mit dem Pan zu tun hat, also sicher nicht Akademiker werden. Ich würde gerne - wenn dies irgendwie möglich ist - Pans bauen und Pan spielen.

P: Ari, Du hast mir vorhin gesagt, dass Ihr auch in Schulen gespielt habt. Hat das Pan dort Anklang gefunden?

A: Da ist ein sehr, sehr grosses Interesse vorhanden. Ich denke, das einzige Problem liegt dort, dass wir keine Pans haben. Meine Schüler z.B. haben ihre Instrumente selbst bezahlt, doch dies kann man nicht von allen fordern. Es wären sehr viele Schulen daran interessiert. Pans in ihren Musikunterricht zu integrieren, doch es sind, wie gesagt, keine Instrumente zu - für Schulen - angemessenen Preisen vorhanden.

P: So gibt es auch, sagen wir mal, Musiker, die sich ernsthaft mit dem Pan beschäftigen würden?

A: Sicher. Es gibt in Finnland ein ziemlich bekanntes Kammerorchester, das fast alles ausprobiert, was es auszuprobieren gibt. So spielte dieses Orchester schon Songs vom Jimi Hendrix und anderen. Der Percussionist dieser Gruppe besitzt ein Tenorpan. Sie spielten auch mit diesem Instrument und versuchten so, ein Pan in einem Kammerorchester einzusetzen.

P: Gut. Zurück zum Thema Panbau. Denkst Du daran, jemals den Panbau zu Deinem Beruf zu machen?

A: Ich habe mir dies noch nie richtig überlegt. Ich denke, im Moment ist es wichtig, der noch jungen Panszene in Finnland eine Stütze zu sein. Doch ich habe noch nichts entschieden. Vielleicht werde ich eines Tages Panbauer. wenn jemand ein Pan will und ich könnte ihm eines bauen, warum nicht!

P: Wo liegen denn jetzt Deine Probleme, dass Du nicht z.B. Paninstrumente für Schulen bauen kannst?

A: Ich denke mein grösstes Problem ist die Ausbildung. Ich hoffe, dass mein jetziger Besuch in Trinidad mich in panbauerischer Hinsicht weiterbringen wird. Auch möchte ich bald in die Schweiz kommen um zu sehen und zu lernen.

P: eine letzte Frage: Was bedeutet Pan für Dich?

A: Für mich in Finnland bedeutet Pan, Freude unters Volk zu bringen. Pan bringt die Leute zusammen, es erzeugt eine gewisse Wärme. Irgendein Sänger kann noch so gut sein, doch ein Panklang - so denke ich - fährt Dir direkt ins Herz. Es kommt nicht darauf an, wie gut oder schlecht eine Band ist. Aber der Panklang hat etwas Spezielles und auch Zusammenbringendes. Dies ist der Hauptgrund, warum ich mit dem Pan arbeite.

P: Tommy und Ari, ich danke Euch für dieses Gespräch.
 
 
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