Die unabhängige Zeitung für Pankultur
aus dem Schweizer Steelpan Archiv
Home || Ausgabe 1/93 || Ausgabe 2/93 || Ausgabe 3/93 || Ausgabe 1/94 ||Ausgabe 2/94

So, dieses Ding hier ist also unseres

Kenneth Roach beschreibt in seinem Text die Schwierigkeiten, den Pannists in Trinidad einige grundsätzliche Definitionen der Standardisierung zu vermitteln. Aus der kurzen Geschichte die er erzählt, lesen wir, dass es nicht eine Frage der Bildung ist, sondern eine Frage der Didaktik. Von Kenneth Roach

The Pannist (Der Panspieler)
In den Anfängen wurde das Panspielen in Trinidad immer mit der niedrigsten Gesellschaftsklasse in Verbindung gebracht. Diese Kunst wurde missbillig als Ausdruck der sozial Ausgestossenen betrachtet: Die aufstrebende Mittelklasse erfreute sich daran nur halbherzig; die Oberklasse spottete über das Steelpan. Während der Nach-Kolonialzeit (um 1956) begannen sich schliesslich die verschiedenen Klassen mit dem Pan zu identifizieren. Dies sogar derart stark, dass sich das Pan und der Karneval als Element des sozialen Zusammenhaltes entwickelten. Auch heute noch bieten Pan und Karneval den wichtigen, sozialen Kitt, welcher eine mehrrassige und multikulturelle Gesellschaft (wie z.B. jene Trinidads) benötigt.

In ökonomischen Situationen wie der heuten bietet das Steelpan neue Wege für arbeitslose wie für arbeitsunfähige Jugendliche. Dies, indem es eine Form des Überlebens darstellt, ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt oder eine Verbesserung der Akzeptanz des Einzelnen in der Gesellschaft bietet.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass einige Bands auf die Dienste von professionellen Pannists zurückgreifen können, um während den Panorama Wettbewerben auf einer guten Basis aufbauen zu können. Zum Beispiel Crack Shot von der Band Curepe Scherzando ist einer dieser professionellen Spieler. Dieser Mann lernt verzwickte Arrangements in weniger als einer halben Stunde und behält sie die ganze Saison im Gedächtnis. Letztes Jahr lernte er so nicht weniger als sieben komplexe Arrangements verschiedener Bands.

Das Trinidad & Tobago Bureau of Standards führte 1992 eine wissenschaftliche Untersuchung der Pan Instrumente durch. Während dieser Zeit nannte man die beteiligten Forscherinnen und Forscher "Pan Doctors". Dies ist bis heute so geblieben. Leslie Pichery, zum Beispiel, wurde von jemandem aus der Schweiz mit Pan Doctor begrüsst.

Im November 1992 führte Curepe Scherzando ein Seminar in ihrem Lokal durch. Das Thema war: "Heute ist das Pan unser Nationalinstrument - was heisst das, was könnte das heissen?" Während der Pause wurde der Vertreter des Bureau of Standards von Crack Shot angesprochen. Das Gespräch verlief folgendermassen:

Crack Shot (CS): So, dieses Ding hier ist also unseres. Wenn mich jemand fragt, was ein Pan ist, da kriege ich schon einige Schwierigkeiten; also ich weiss da schon eine Antwort, aber wenn mich dann eine andere Person dasselbe fragt, kriegt er bestimmt eine andere Antwort.

Pan Doctor (PD): Aber wir haben doch eine Definition festgelegt. Weil man nicht etwas standardisieren kann, ohne sich darüber einig zu sein, was man überhaupt standardisieren will. Darum mussten wir eine Definition finden.

CD: Schiess los Doc, ich höre.

PD: Also, ich lese sie dir vor: "Das Steelpan ist ein Musikinstrument aus Trinidad & Tobago stammend. Es ist ein Perkussionsinstrument mit definierten Tonhöhen und wird den Idiophonen zugeordnet. Es wird traditionsgemäss aus einem Spundfass (Steeldrum) aus Stahlblech oder einem Gebinde aus Stahlblech (Steelcontainer) hergestellt. Die metallene Spielfläche ist konkav und wird durch einen Mantel zusammengehalten. Die Spielfläche ist mittels Senken, Gravuren und/oder Bohrlöchern in konvexe Sektoren unterteilt. Jeder konvexe Sektor ist ein Ton, auf eine definierte Tonhöhe gestimmt. Die konvexen Sektoren werden mit Pan-Schlegeln geschlagen, um Töne zu produzieren.

CS: Ich weiss, was Du tun solltest, Doc. Druck dies alles auf T-Shirts und gib es den Panspielenden. Nach einiger Zeit werden sie alles auswendig wissen. Genauso wie sie die Musik lernen.
 
 
CATRIVER Design 2007