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Eckhard C. Schulz, Tuner aus der Stahlstadt Dortmund

Eckhard C. Schul, Tuner in Dortmund, ist Spezialist im Obertonbereich. Er hat die Zusammenhänge der Obertöne erforscht und in den Griff bekommen. In diesem Interview umreisst er seinen Weg und seine Erfahrungen, die er bis heute gemacht hat. Von Sabina Schärer

Panyard (P): Eckhard Schulz, wie bist Du auf den Tunerberuf gekommen?
Schulz (S): Ich war einmal an einer Musikerparty, wo einer aus Barbados ein altes, kleines, billiges Paninstrument heimgebracht hatte. Ich spielte drei Stunden darauf und wollte es beinahe nicht mehr aus den Händen geben. Ich habe erfahren, dass es noch grössere Pans gibt und nach einiger Zeit brachte mir ein Freund ein altes, verstimmtes mit. Ich bin völlig ausgeflippt ob dem Instrument, das kann sich gar niemand vorstellen. Ich versuchte mit Müh und Not, in meinem kleinen Zimmer ein erstes Pan zu bauen. Mit Hilfe einiger Ideen von Freunden kam ich über Umwege auf die richtige Spur. Ich reiste nach Berlin zu einer Steelband, um mehr über den Bau des Instrumentes zu erfahren.

Nach den ersten Instrumenten habe ich erkannt, dass man, je nachdem wo man hinschlägt, in den Obertonbereich hereinkommt. Ich habe, vielleicht auch durch Glück, die Zusammenhänge erstaunlich schnell in den Griff bekommen. Auf jeden Fall habe ich damals (1980) schon ganz schöne Instrumente gebaut. Ich hatte auch schon Kunden, da ich eine Annonce in mehreren Musikerzeitschriften gemacht hatte. Das erstaunte mich, denn ich hatte, obwohl ich schon jahrelang Musiker war, noch nie etwas von diesem Instrument gehört.

P: Wie hast Du zu Deinem Stil gefunden?
S: Seit 15 Jahren bin ich nun Panbauer, und ich hab meinen Stil von Anfang an gehabt. Ich habe immer versucht, alles so schön wie möglich zu bauen. Keine Beulen. Nach und nach habe ich alle Fehler eliminiert. Vor wenigen Jahren erkannte ich das Problem, woran es liegt, dass eines meiner ersten Instrumente wesentlich mehr Herz ausstrahlte als meine besten Instrumente, die ich jetzt baue. Ich vermute, dass es an der Umgebung lag, wo ich dieses gebaut habe, in Südfrankreich, mit Sonne im Herzen, null Stress und einem grossen Zeitaufwand.

Inzwischen habe ich alles perfektioniert und verschnellert. Es wurde mir klar, dass ich erst dann wieder mehr Seele in Instrumente reinkriegen kann, wenn ich mich mehr damit beschäftige. Aber was soll man machen, wenn alle Bedingungen, die man sich gestellt hat, erfüllt sind? Ich habe ganze Versuchsreihen gemacht mit verschiedenen Obertönen, um einfach zu erfahren, welche Zusammenhänge bestehen, wie ein Instrument klingt, wie die Obertöne zusammenhängen. Das Problem, dass die Instrumente immer schneller fertig werden, und dadurch seelenloser wurden, habe ich zu bekämpfen versucht, indem ich mir die Aufgabe gestellt habe, die völlig abgehobene dritte Dimension der Obertöne zu erforschen. Das bedeutet: Parallel zum 1. Oberton gibt es einen zweiten. Weil der parallel läuft, hab ich zu Beginn keine Chance gesehen, beide unabhängig voneinander zu verändern. Ich habe später einen Weg gefunden. Jedenfalls war das wieder eine Chance, mich länger mit Instrumenten zu beschäftigen, eben diese 2. Oktave mit rein zu bekommen. Ausserdem ist es eine unheimlich spannende Arbeit, dies herauszufinden. Das Problem ist inzwischen auch im Griff und ich frage mich, was noch zu erforschen ist.

P: Was tust Du, wenn Du alles entdeckt hast?
S: Den Sargdeckel über mir zu, denn ich hoffe, dass noch genug bleibt um dieses Leben damit beschäftigt zu bleiben.

P: Du arbeitest mit dem Handel zusammen. Interessiert es Dich, wohin Deine Instrumente kommen und was mit Ihnen geschieht?
S: Das war zu Beginn ein Problem für mich. Aber das hat jemand anderes für mich erledigt. Es ist einfach so, dass Spitzeninstrumente ihren eigenen Weg gehen. Und wo die anfangen, das kann man sich nicht aussuchen. Sicher ist auf jeden Fall, dass die ganz guten Instrumente von alleine da landen, wo sie hingehören. Man wird's wahrscheinlich selber nicht erleben dürfen. Ein gutes Instrument geht nicht kaputt, es wird nur besser. Eine wichtige Sache ist, dass der Rand sich auf die Töne einschwingt. Wenn ein Instrument sehr rein gestimmt ist, geht dieser Prozess sehr schnell. Die Eigenfrequenz des Randes verändert sich mit dem Alter und mit der Häufigkeit, mit dem es gespielt wird. Es beginnt viel freier zu klingen. Das ist eben das Geheimnis, z.B. auch bei den Stradivari-Geigen, die sind eingeschwungen. Ich weiss, dass ein altes Instrument, vorausgesetzt es ist gut gestimmt, immer besser sein wird als ein neues.

P: Du vergleichst also Deine Instrumente mit einer Stradivari?
S: Ja, schon. Es wird immer so sein. Ein schlechtes Instrument wird zu Schrott werden, ein gutes vergoldet sich.

P: Warst Du in Trinidad?
S: Ja, im Jahr 91. Das war ein unglaubliches Erlebnis.

P: Hast Du am Panorama mitgespielt?
S: Nein

P: Hast Du Tuner kennen gelernt?
S: Ja, einen, aber der konnte mir nichts erzählen.

P: Wem verkaufst Du Deine Instrumente?
S: Das geht über Zwischenhändler, international. Japaner kaufen sehr viele.

P: Du baust auch kleine Pans, Kid-Drums genannt.
S: Ja, ich habe damit nach drei Jahren begonnen, als Existenzsicherung und um sicher zu sein, die Instrumente wegzubringen, das war vor allem am Anfang wichtig für die Händler, mit denen ich zusammen arbeitete.

P: Welches sind Deine Vorstellungen davon, wie die Käufer mit Deinen Instrumenten umgehen?
S: Da bin ich ganz offen. Es ist mir mehr oder weniger egal, welche Musik gespielt wird. Ich möchte das Instrument orchesterreif machen, weil ich nicht einsehe, wieso ein gut gestimmtes Instrument nicht im ganz herkömmlichen Orchester seinen Platz haben sollte. In Dortmund ist es jetzt soweit, dass meine Pans in Musikschulen Einzug halten.

P: Was meinst Du zur Pankultur, gibt es die?
S: Ich glaube, das trifft vielleicht auf die Schweiz zu, aber in meiner kleinen Steeldrumwelt kann ich nicht davon sprechen. Das gibt's bei uns nicht. Es ist ja alles noch so jung, wir sind noch in den Anfängen.

P: Eckhard Schulz, ich danke Dir für dieses Interview.
 

Eckhard C. Schulz

Geboren 1946.
Ist seit 1978 Tuner.
Seit 1962 Musiker (Soulsinger)Seit 1989 existiert seine Steelband Steelyard.
War 1960-1968 Büromaschinentechniker.
1964-1967 Langstreckenläufer (voll am Leben vorbei) mit Lorbeerkranznachweis.
1968-1974 Stahlarbeiter.
1974-1982 Medizinstudent ohne Lorbeerkranznachweis.
 
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