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Was ist ein Tuner: Künstler oder Wissenschaftler

Von Sabina Schärer

Das Pan ist ein Instrument, das immer wieder Menschen in Erstaunen versetzt. Es scheint kaum glaubhaft, dass ein Stück Blech so rein klingen kann. Panspieler wissen, dass die Arbeit des Tuners eine Kunst ist, dass es Erfahrung und Geduld braucht, um einen Pan Ton rein zum klingen zu bringen. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Töne und deren Obertöne aufeinander ist wohl keinem Tuner, geschweige denn Panspieler, vollständig klar. Oder doch? Tuner Schulz behauptet jedenfalls, er habe die Obertöne im Griff. Er besitzt ein anerkennungswürdiges Wissen nach jahrelanger Forschungsarbeit, Versuchsreihen mit verschiedenen Tonanordnungen, fünfter, zehnter, zwölfter Oberton... da spricht mir der westliche Wissenschaftsgeist entgegen, der alles erforscht und auseinander nimmt, wissen, erklären und beweisen will; so lange herumversucht, bis alle Mysterien aufgehoben sind und die Seele verloren geht... Ob dies die Aufgabe eines Tuners ist, scheint mir fragwürdig. "Wer sich zuviel mit Details beschäftigt, verliert den Blick für das Wesentliche." Panspieler brauchen Instrumente, die schön klingen und mit denen musiziert werden kann (ob nun der 14. Oberton auch drin ist, interessiert niemanden!). Da Tuner im Vergleich zu den Panspielern rar sind, ist es nicht unwesentlich, welche Instrumente diese wenigen Tuner bauen. Wir können doch nicht zulassen, dass sich die Tuner im Blech verkriechen und ihrem Forschungszwang nachgehen. Sie könnten vergessen, dass wir Panspieler abhängig sind von ihrer Kunst, nicht nur Blech zum klingen zu bringen, sondern sogar Instrumente mit Charakter und Seele zu bauen. Wenn es stimmt, dass der Tuner ein Künstler ist, besteht seine Arbeit darin, jedem den Zugang zum Pan zu ermöglichen. Werden die Instrumente unbezahlbar für das Volk, insbesondere für Jugendliche, wird das Panspielen zur Elitesache. Dürfen wir zulassen, dass das Kulturgut Pan zum Wissenschaftsobjekt degeneriert?

Never Believe Tam Tam

Nannte sich das musikalische Kuriosum, welches der Berner Rhythmus-Akrobat Tini Hägler extra für das CH New Jazz Festival 1994 zusammen mixte. Die groovige Mischung setzte sich zusammen aus: Anja Losinger, Tanz; Sabina Schärer, Steelpans; Nick Indermühle, Djembé, Perkussion; Samuel Bauer, Drums; Philipp Läng, Walfisch, Perkussion DJ; Tini Hägler, Marimba, Perkussionsgitarre. Never Believe Tam Tam überraschte dann das Publikum auch mit schrägen Klängen, und das Attribut "new" haben die MusikerInnen mit ihrer Improvisations- und Spielfreudigkeit gleich selbst verliehen. Dass in dieser Formation Steelpans gespielt wurden, verdient besondere Beachtung. Das Steelpan hat ausserhalb der konventionellen Steelbands den Ruf, ein schwer integrierbares Instrument zu sein, oder das Pan wird ganz einfach nicht als vollwertiges Instrument akzeptiert.
 
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