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Klarstellung (hoffentlich)

von Eckhard C. Schulz, Tuner, Dortmund

Da wäre noch was mitzuteilen, über Obertöne.

Was sind die eigentlich, müssen die sein? Wo kommen die her? Sollte man sie ausgrenzen, ignorieren oder ganz einfach verbieten?

Schliesslich will ein(e) Panspieler(in) keine Obertöne, sondern vernünftige, schöne, tiefe Töne spielen, oder?

Bevor ich zu den genannten Fragen Stellung beziehe, ein Wort zu meinem Interview, dass ich der Sabina widmen möchte: Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Artikel. Alle Worte richtig geschrieben, kein Kommafehler - das war schon ziemlich gut. Trotzdem: frag doch mal die Abonnenten, ob da nicht noch einiges an Fragen offen geblieben ist. Ich persönlich gebe mich zufrieden, ich habe schon schlechtere Beiträge über mich gelesen, möchte aber gerne noch einiges klarstellen und komme übergangslos zur Beantwortung meiner selbst gestellten Fragen.

Obertöne, das sind Frequenzen die jeden Grundton begleiten. Man kann sich so 'ne Art von (z.B.) siamesischen Fünflingen vorstellen, die in Kreisform zusammengewachsen sind. In der Mitte dieser armen Geschöpfe ist ihre Mutter (Grundton), die sehr schwach auf den Beinen ist und augenblicklich umfallen würde, wenn diese siamesischen Fünflinge (alle verschieden gross übrigens) durch eine wundersame Fügung des Schicksals voneinander getrennt würden, um dann z.B. in die nächste Kneipe zu gehen - zum ersten Mal getrennt - auf eine Stange Hürlimann. Ich frage nun alle panspielenden Girls und Boys ob sie das wirklich möchten, dass die Mutter da so auf der Strasse rumliegt...?

So, jetzt alles noch einmal für die ganz ernsten Panleute: Jeder der hoffentlich wohlschwingenden und klingenden Töne Eurer Pans setzt sich aus mindestens 3 Tönen zusammen. Der 1. Ton (Grundton oder Mutterton) wird in der Regel von zwei eingestimmten Obertönen begleitet. Der eine lässt sich in der Lang- der andere in der Querrichtung einstimmen.

Der 1. Oberton, der normalerweise auf der längeren Achse des Tonfeldes verläuft, wird vom Tuner für gewöhnlich auf die Oktave des Grundtones eingestimmt. Der zweite Oberton, der über die Querachse verläuft, ist für den erfahrenen Tuner eine Variable. Je nach Breite einer gewählten Tonfläche kann man von einer kleinen Sekunde (Halbton) bis zur 2. Oktave nach der 1. Oktave jeden beliebigen Ton zur Klangbildung des Tonfeldes verwenden.

Ein guter Tuner weiss nun, welche Klangfarbe (und dafür ist der 2. Oberton verantwortlich) jeder dieser Töne, die zwischen der kleinen Sekunde und der 2. Oktave liegen, erzeugt und kann des Panisten ganz speziellen klanglichen Vorstellungen entsprechen. Eine Kontrolle Eures Pans auf diese Obertöne hin, wird Euch die Problematik sicher etwas anschaulicher (hörbarer) machen. So, das wäre das Elementare zu diesem Thema. Es gibt aber noch mehr für Leute mit Spezialohren.

Neben dem angesprochenen 1. und 2. Oberton gibt es auch noch etliche mehr, insbesondere bei tiefer eingestimmten Tönen (Guitar, Cello, Bass). Für den Tuner gilt auch hier: Je mehr Obertöne man 'in den Griff' bekommt, desto freier kann sich der Grundton entfalten, und was ich bemerken möchte, desto stabiler wird er. DER GRUNDTON! Lang soll er leben!

Zum Abschluss noch dies: Ich sehe meine Aufgabe als Tuner darin, das Steelpan gesellschaftsfähig (orchesterfähig) zu machen, und ich habe mein erstes Pan und die ersten Pans von allen Tunern genauso gern, wie das neueste hochedle Produkt aus meiner Werkstatt.

PS: Wer sagt denn, dass meine Instrumente unbezahlbar sind? Ich war's jedenfalls nicht.

Mit aufklärerischen Grüsse an die Schweizer Panszene.

Eckhard C. Schulz, Dortmund

Anmerkung der Redaktion: Der obige Artikel ist die Antwort von Eckhard C. Schulz auf den Kommentar von Sabina Schärer in der Nr. 1/94.
 
 
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